Pressemitteilung 15053
[07.04.2006] Pressemitteilung 15053
Pressemitteilung GWW
GWW schließt 2005 mit zufriedenstellenden Ergebnis ab
Sindelfingen, den 07. April 2006
Die Zusammenarbeit der Landkreise mit der GWW haben sich nach der Auflösung des Landeswohlfahrtsverbandes gut entwickelt, „denn wir haben hier einen sehr kooperativen Partner in der Eingliederungshilfe“ betonten Landrat Bernhard Maier (LK Böblingen) und Landrat Hans-Werner Köblitz (Landkreis Calw) einstimmig.
Aber trotz der guten Zahlen für das Jahr 2005 – Gesamtertrag 36,3 Mio €; 24,3 Mio € Ertrag im Werkstättenbereich, davon 14,7 Mio € Nettoergebnis der Werkstätten und 9,6 Mio € an Leistungsentgelten – steht die Behindertenarbeit auch vor Problemen durch die sozialrechtlichen und haushaltpolitischen Rahmenbedingungen und durch die Tatsache, dass die Zahl der behinderten Menschen weiter zunehmen wird.
Der Böblinger Landrat Bernhard Maier, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der GWW, unterstrich, dass durch die Zuständigkeit des Landkreises das Zusammenspiel enger geworden ist und betonte: „Wir ziehen an einem Strang, wir entwickeln eine gemeinsame Strategie und haben auch gemeinsame Ziele: Die ambulante Betreuung der behinderten Menschen hat Vorrang vor einer stationären Unterbringung“.
Zwar sind Zahlen bei der GWW wichtig, aber Vorrang hat die Eingliederung von behinderten Menschen in die Gesellschaft. Um ihnen ein möglichst normales Leben zu ermöglichen und das mit wirtschaftlichem Erfolg. Der Landkreis Böblingen steuerte 2005 10 Mio € zur Unterstützung der behinderten Menschen in der GWW bei.
Landrat Hans-Werner Köblitz aus Calw konnte hier nur beipflichten und betonte: „Die GWW wird selbst initiativ und unterbreitet Vorschläge zur Kostenreduzierung“ und weiter „In der Vergangenheit haben wir einen Fehler gemacht, nämlich, dass wir gute Behindertenpolitik an den Euro gemessen haben, die dafür ausgegeben worden sind“. Die neue Realität zeigt aber, dass man mit weniger Kosten auch bessere Ergebnisse erzielen kann. Auch ihm geht es um die Eingliederung der Menschen in die Gesellschaft, denn „es macht keinen Sinn die Menschen in Schubladen einzuteilen“.
Geschäftsführer Rainer Knapp betonte, dass man mit dem Geschäftsergebnis nicht ganz zufrieden ist. Bei der Berücksichtigung der weggefallenen und verlagerten Aufträge im Werkstattbereich kann man aber noch immer zufrieden sein, denn „das Klima ist rauher geworden“. Auch die Anforderungen der Auftraggeber und somit auch die Anlaufkosten bei neuen Aufträgen sind gestiegen. Deswegen braucht die GWW auch „Gewinne“, um die Investitionen für die Zukunftsfähigkeit der Organisation mit ihren 1200 behinderten Menschen, 875 Werkstattplätzen, 320 Wohnplätzen und 104 Plätzen im Schwerstbehindertenbereich, zu sichern.
Erwirtschaftet werden die notwendigen Gelder in der Zusammenarbeit mit DaimlerChryler, Hewlett-Packard, Bosch-Rexroth, Fauresia, Philips und über 120 mittelständischen Auftraggebern.
Wegen der immer noch zufriedenstellenden Geschäftslage der GWW liegt die monatliche Bezahlung der behinderten Mitarbeiter bei durchschnittlich € 466, gegenüber dem Bundesdurchschnitt, der bei etwa € 180 liegt. Das bringt Anerkennung und Selbstbestätigung und spart den Landkreisen auch Geld: Die Behinderten der GWW tragen im Jahr rund 500 000 € zu den Wohnkosten bei.
Knapp zeigte sich zuversichtlich, den Standard halten zu können. Im Betreuungs- und Begleitbereich erwartet Knapp für die nächsten acht bis zehn Jahre ein Wachstum von ca. 10% (entsprechend 100 zusätzliche Arbeitsplätze). Auch im Wohnbereich wird – Folge der Euthanasie im dritten Reich und des medizinischen Fortschritts – ein deutlich höherer Bedarf prognostiziert. Die GWW hat das Ziel, sowohl bei der Arbeit als auch beim Wohnen den ambulanten Bereich stark ausbauen. Während heute 19,4% der Bewohner in anderen Wohnformen als dem Heim unterkommen, sollen es in Zukunft 50% sein. Und in rund zehn Jahren sollen nicht 17% (wie heute) sondern 30% außerhalb der Werkstatt arbeiten, z. B. in ausgelagerten Gruppen oder in der GWW-eigenen Integrationsfirma FEMOS.
Möglichkeiten sieht Knapp auch im „Persönlichen Budget“, man sollte hier aber nicht von all zu hohen Erwartungen ausgehen, auch wenn dies ein Schritt in die richtige Richtung ist. „Statt Sachleitungen sollen die, die es können Geldleistungen erhalten“ und weiter „Dann können die behinderten Menschen auch die Leistung einkaufen, die sie wollen“. Ab 2008 gibt es hierzu einen Rechtsanspruch. Und um darauf vorbereitet zu sein, wird schon jetzt ein Projekt der „Personenzentrierten Hilfe“ mit dem Landkreis Böblingen durchgeführt. Von diesem Ergebnis profitiert selbstverständlich der Landkreis Calw.
Gute Karten dank GWW
„Die Landkreise haben gute Karten, weil sie die GWW haben,“ stellte Landrat Maier abschließend fest, denn hier werde das Ziel „ambulant vor stationär“ schon seit Jahren verfolgt. Man wolle den dezentralen Ansatz weiter ausbauen: Letztlich sollte in jeder Gemeinde eine Behinderten-Einrichtung sein, denn nur so werde Wahrnehmung und Kennenlernen erreicht, so finden behinderte Menschen Eingang in das Bewusstsein der Bevölkerung, ein entscheidender Schritt zur Integration.
Zahlen und Fakten hierzu finden Sie weiter unten.
| Telefon | 07034 / 27041-130 |
| Mobil: | 0174 / 31 777 19 |
| Telefax | 07034 / 27041-103 |
Zahlen und Fakten
Die GWW in Zahlen:
Bilanzsumme: 57,0 Mio. Euro
Gesamtertrag: 36,3 Mio. Euro
Ertrag Werkstätten: 24,3 Mio. Euro
davon
Nettoergebnis: 14,7 Mio. Euro
Leistungsentgelte: 9,6 Mio. Euro
Löhne behinderte Mitarbeiter: 466 Euro (ca. 157 Euro Bundesdurchschnitt)
Behinderte Menschen: ca. 1.200
davon
Werkstattplätze: 875
Wohnplätze: 320 davon 62 Plätze ambulant
(Bei
den Werkstatt- und Wohnheimplätzen gibt es doppelte Belegungen, da ein
Teil der behinderten Menschen in den Werkstätten arbeiten und im
Wohnheim wohnen)
FuB-Plätze: 104
(FuB = Förder- und Betreuungsbereich für Schwerbehinderte Menschen)
40 Standorte in den Landkreisen Böblingen und Calw
Personal nach Köpfen: ca. 650
FEMOS
Arbeitsplätze: 172 davon 60 ohne Schwerbehindertenausweis
(genaue Aufschlüsselung siehe Geschäftsbericht Seite 33)
