Pressemitteilung 15051
[14.03.2006] Pressemitteilung 15051
Pressemitteilung GWW
Neue Verordnung für Elektronik-Schrott:
„Uns bricht die Kundschaft weg“
GWW bangt im Recycling-Bereich um die Arbeitsplätze
Sindelfingen, 14.03.2006
Der Bereich „Recycling von Elektroschrott“ der GWW – Gemeinnützigen Werkstätten & Wohnstätten GmbH in Magstadt ist in Gefahr und somit auch die Arbeitsplätze für zwölf behinderter Mitarbeiter. Werkstätten, wie die GWW, die sich hier spezialisiert haben, kämpfen derzeit um ihre Existenz, denn 2006 tritt das neue Elektro- und Elektronikaltgerätegesetz in Kraft. Wie hier dagegen gesteuert werden kann, wollen wir zusammen mit der GDW (Genossenschaft der Werkstätten), der Deutschen Umwelthilfe und Saeco darlegen.
Termin:
Montag 20.März um 15:00 Uhr bei der GWW in Magstadt, Robert-Bosch-Strasse 1
Vom 24. März an müssen alle Hersteller ihre alten Geräte zurücknehmen und auch selbst entsorgen. Was für die Verbraucher ein Segen ist, weil sie künftig ihre alten Elektro- und Elektronikgeräte kostenlos bei den kommunalen Sammelstellen abgeben können, bereitet der GWW und anderen Werkstätten jedoch größte Sorgen: Die Kommunen, die diese Werkstätten seit mehr als zehn Jahren mit Recycling-Aufträgen bedacht haben, entfallen künftig als unmittelbare Auftraggeber.
„Durch diese Veränderung besteht die Gefahr, dass ganze Abteilungen in den Bereichen Elektro-Elektronikrecycling in den Werkstätten für behinderte Menschen wegfallen“, sagte ein Werkstattleiter. Die Sorgen sind nicht unbegründet, wie die Genossenschaft der Werkstätten für Behinderte (GDW) in Sindelfingen bestätigt: „Im März 2006 bricht unsere ganze kommunale Kundenstruktur weg. Wir haben der Industrie unsere Angebote vorgelegt, aber dort hält man sich noch sehr bedeckt“, sagt Werner Block, geschäftsführender Vorstand der GDW. Deutschlandweit arbeiten in derzeit 82 Werkstätten circa 1500 Menschen mit Behinderung im Bereich Elektroschrott-Recycling. Für sie einen neuen Tätigkeitsbereich zu finden, wäre äußerst schwierig. Ohne diese Alternative bleibe vielen behinderten, insbesondere schwerstbehinderten Menschen die Teilhabe am Arbeitsleben verwehrt.
Konkurrenz wittert Block insbesondere durch Recycling-Firmen im Ausland, die sich nicht an die hier gültigen Umweltschutz-Standards halten müssen und ihre Leistungen infolge dessen weitaus günstiger anbieten können. „Da besteht durchaus Gefahr, dass die alten Geräte innerhalb der EU einem gewissen Tourismus unterliegen“, sagt Block. Im Kampf um die Aufträge bleibt den Behindertenwerkstätten nur ein Weg: Sie müssen sich untereinander vernetzen, denn viele Unternehmen wollen nur einen einzigen Entsorger für ganz Deutschland.“ Die GDW hat in diesem Sinne bereits jemanden eingestellt, der für die Aquisition der Aufträge zuständig ist. „Bundesweit werden wir mit einer Stimme sprechen“, sagt Block. Er geht davon aus, dass die Industrie auf das Können der Behindertenwerkstätten nicht verzichten kann.
Von politischer Seite erfahren die Behindertenwerkstätten derzeit Rückendeckung, denn diese soziale Entsorgungsfachbetriebe führen seit vielen Jahren ein vorbildliches Recycling von Altgeräten durch und gewährleisten die sicher Abtrennung von Schadstoffen. In Magstadt erreichen die Mitarbeiter beim Zerlegen der Altgeräte eine Recycling-Quote von bis zu 97 Prozent. „ Das wäre maschinell gar nicht leistbar“, sagen die Verantwortlichen. Jährlich werden in Handarbeit zum Beispiel zweihundert Tonnen Kondensatoren von Elektronikaltgeräten aussortiert, die mit Schadstoffen belastet sind.
Abgesehen von der hohen Recycling-Qualität sind die Behindertenwerkstätten aber auch aus einem ganz anderen Grund ein guter Partner, heißt es bei der GWW, denn Unternehmen als unsere Auftraggeber können diese Leistungen auf die zu zahlende Schwerbehinderten-Ausgleichsabgabe anrechnen.
Die künftig notwendige Vernetzung von Behindertenwerkstätten ist bei vielen Werkstätten längst gewährleistet. Einige Werkstätten arbeiten sogar schon grenzübergreifend im Verbund mit Behindertenwerkstätten in Österreich zusammen. Der erste Schritt zum internationalen Handeln ist somit schon getan.
Mit der Firma „SAECO“ hat sich ein erster Hersteller für unsere Arbeit interessiert. Am 20. März um 15:00 Uhr wird sich eine Besuchergruppe (die Deutsche Umwelthilfe und Mitarbeiter der Firma Saeco) über die Arbeitsweise und Kompetenz der GWW in Magstadt informieren.
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