mit Dr. Eberhard Haller, Leiter Mercedes-Benz Werk Sindelfingen
Sindelfingen/Gärtringen, 16.11.2009
Dr. Eberhard Haller besuchte zum offiziellen Produktionsstart die Heckscheiben-fertigung der neuen E-Klasse bei der GWW. Nach langjähriger Zusammenarbeit vertraut die Daimler AG auch bei der Fertigung der neuen E-Klasse auf die Mitarbeit der GWW. Dies ist keine gewöhnliche Zusammenarbeit, denn die Leistungen der GWW werden von Menschen mit Behinderung erbracht.
Dr. Eberhard Haller ist bei der GWW ein gern gesehener Gast. Am heutigen Montag besucht er zum offiziellen Serienanlauf der Fertigung der Heckscheiben für die neue E-Klasse die Werkstatt in Sindelfingen. Bevor es jedoch soweit war, mussten in gemeinsamer Arbeit die notwendigen Vorarbeiten gemeistert werden. Bereits Anfang 2008 wurde von der GWW ein Angebot zur Heckscheibenfertigung abgegeben und im April desselben Jahres erfolgte die Auftragsvergabe.
Bei der GWW werden seit mehr als zehn Jahren verschiedene Glasumfänge für unter-schiedliche Modelle, wie zum Beispiel die Seitenscheiben für die S-Klasse, Dreieckscheiben für die C-Klasse oder Trapezscheiben für den GLK, gefertigt. Auf Grund dieser Erfahrungen konnte die Arbeit für die Heckscheibe gezielt angegangen werden. So wurden zuerst die notwendigen Fertigungstechniken und eine behindertengerecht Umsetzung abgeklärt. Danach wurde in der Entwicklungsabteilung der GWW die notwendigen Anlagen und alle weiteren Vorrichtungen konstruiert und anschließend im Sondermaschinenbau der GWW gefertigt. Denn Maschinen, die die GWW für diese Aufträge der Daimler AG benötigt, werden von herkömmlichen Maschinen- und Anlagenbauern standardmäßig nicht angeboten.
In den fünf Anlagen werden die Heckscheiben prozesssicher gehandelt. Die Scheiben müssen gereinigt und geprimert (chemische Aufrauung der Klebefläche) werden, bevor alle notwendigen Dichtungen zehntels Millimeter genau aufgeklebt werden und weitere Funktionselemente angebracht sind. Nach der Endkontrolle werden die Heckscheiben in spezielle Ladungsträger transportsicher verpackt. So wird die Heckscheibe fix und fertig just-in-time fünf- bis sechsmal täglich ans Band vom Sindelfinger Mercedes-Benz Werk angeliefert. Dort wird sie eingebaut und feinjustiert.
Im Laufe der Projektdauer wurden auch Versuche durchgeführt. Diese führen hin und wieder zu Konstruktionsänderungen, besonders was das Profil der Dichtungen betraf. Die Heck-scheiben wurden dabei nach klar festgelegten Kriterien auf Herz und Nieren geprüft. Damit auch wirklich alles reibungslos klappt, lassen die Automobilbauer ihre Zulieferer nach der Norm des Verbandes der Deutschen Automobilindustrie VDA 6.1 zertifizieren, was wesentlich höhere Anforderungen an den Lieferanten stellt als die allgemein bekanntere DIN EN ISO 9001:2000-Norm. Die GWW hat sich dieser Herausforderung gestellt und ist in allen Werkstätten, in denen für die Automobilindustrie gearbeitet wird, nach der VDA-Norm zertifiert. Es ist für die GWW selbstverständlich, sich immer neuen Herausforderungen zu stellen, um auch zukünftig die Arbeitsplätze von behinderten und nicht behinderten Menschen zu sichern. Mit dem Start der Heckscheibenfertigung der E-Klasse wurden Arbeitsplätze für ca. 25 behinderte Mitarbeiter geschaffen und für die Logistik – den Transport von und ins Lager werden weitere fünf Mitarbeiter benötigt. In Sachen Qualität überlässt die GWW nichts dem Zufall. Am Ende der Fertigungskette wird an dem Endkontrollplatz jede Heckscheibe vor der Auslieferung an die Daimler AG überprüft.
Auch Landrat Roland Bernhard kam in seiner Rolle als Vorsitzender der Gesellschafter-versammlung der GWW zu Wort. Ihm war es ein besonderes Anliegen, die Wirtschaftskraft der GWW darzustellen und nahm auch Stellung zur kommunalen Verantwortung der Wirtschaft und sozialer Belange.
Im Rahmen der Veranstaltung stellten sich die Regionen der GWW mit dem Schwerpunkt „Zulieferung Automobilindustrie“ vor und präsentierten eine breite Palette von Produkten, wie zum Beispiel Lufteinlass, Fußfeststellbremse oder Tankdeckel. Abgerundet wurde die Präsentation mit einer Demonstration der Kompetenz der GWW im Logistikbereich, denn hierauf richten die Auftraggeber verstärkt ihre Blicke.
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